Der ALBTraum des Martin S. und Florian M.

Ausrüstung

Florian und ich waren beide mit Toptube Pack und Arschrakete als Gepäckstücke samt zwei Flaschen ausgerüstet. Und wir hatten beide (nur) eine Light-Isomatte und einen Biwaksack dabei. Und wir hatten beide einen Garmin 530 am Start, zudem den Track bei Komoot offline auf dem Handy. Damit erschöpfen sich aber beinahe schon unsere Ausrüstungsgemeinsamkeiten.

Bikes

Während die Defekthexe Florian auf sein altes 26er gezwungen hat, durfte ich planmäßig mit dem Cube Elite 29er HT starten, auch recht alt (2013) und bewährt. Angetrieben 1×11, 30/11-46. VR Racing Ray, 1,6 Bar, HR Thunder Burt, 1,8 Bar; beide schlauchlos. Einzige Ergänzung im Vergleich zum normalen Marathon-Setup waren Innen-Barends, die ich jeweils ungefähr eine handbreit vom Vorbau montiert habe, und Lampen (vorne zwei Magicshine, hinten diverse Kleinblinker). Das rollende und sonstige Material hat trotz der recht schmodderigen Strecke super durchgehalten; Öl oder Luft gab es unterwegs nicht.

Unser ALBTraum

Wir sind praktisch die ganze Strecke Rad an Rad gefahren. Unser ungefähres Ziel war es, den ALBTraum bis spätestens Montagfrüh zu absolvieren. Wir wollten von vorneherein eine ziemlich brutale Nachtfahrerei hinlegen (ohne uns viel hinzulegen). Entsprechend ruhig sind wir die Sache beim Tempo angegangen, insbesondere auch wegen der feuchten Bedingungen; weniger wegen der Sturzgefahr, sondern weil schnell klar war, wie sehr der klebrige Untergrund auf Dauer Kraft zieht.

Die Streckenführung der ersten 120 km über die für mich (Ex-Stuttgart, Ex-Tübingen) heimische Alb war schon mal klasse, und der Rest sollte es auch werden. Um nicht kurz vor Ladenschluss und/oder irgendwo in der Einöde zu stranden, hatten wir vorab die letzten möglichen Supermärkte für Samstagabend recherchiert und viele Tankstellen am Weg der Gesamtstrecke. Ursprünglich hatten wir auf REWE in Fridingen bis spätestens 22 Uhr spekuliert; es wurde dann NETTO in Gosheim kurz vor 21 Uhr. Folglich haben wir den Dreifaltigkeitsberg bei Nacht erklettert. Eindrucksvoll. Dann runter zur Donau und weiter, wie es halt ging. Kurz nach der „Naturkirche“ (Lourdesgrotte) bei Beuron hat uns der Regen eingeholt. Der machte es nicht leichter. Um 2 Uhr morgens haben wir uns im Luchszentrum in der Nähe der Burg Wildenstein einquartiert. Trocken, aber durch Erschöpfung und (Schwitz)nässe sowie fächelnden Wind doch eher kalt. Und der Start um 4 Uhr war noch kälter, hinein in die dunstige Dämmerung und dann bisschen durch die Täler. Mit Beginn der Steigung zur Fürstenhöhe haben wir auf freier Strecke ein Frühstück aus Bordmitteln eingenommen. Erster wohltuender Stopp war dann Gammertingen, wo wir direkt den Bäcker geräubert haben. Auf dem Weiterweg nach Zwiefalten hat uns ein kerniger Graupelsturm angetrieben, es sollte der letzte Niederschlag auf dem Trip bleiben, im Klosterort war bei Sonne wieder ein Bäcker fällig. Der Rhabarberstreusel hat sich dann auch prompt ein bisschen gemeldet, als ich beim folgenden Geradeaussteilstück von Baach hoch zur Peterskapelle im Sattel bleiben musste. Insgesamt verlief alles planmäßig, wenn auch mit etwas Zeitverzug. Im Lautertal haben wir in der Wärme des Nachmittags 20 Minuten Powernap gemacht.

Blaubeuren war dann zum Abschluss des Tages ein Fressfest mit Döner-Pommes und Cola. Im letzten Tageslicht haben wir uns im mittleren Tiefental noch zehn Minuten für die Popopräparation genommen, dann ging es zügig in die Nacht und kurz darauf für zwei Stunden unter dem Beinahevollmond fast mystisch über den Truppenübungsplatz. In Gruorn haben wir uns um 23 Uhr für eine Stunde auf die Eckbank der Vesperhütte gelegt; nach dem Schwitzfrieren im Biwaksack bei den Luchsen, dieses Mal einfach in unseren kompletten Klamotten inklusive Daunenjacke und Gore-Regensachen. Auch kein echter Spaß, aber ich glaube, ich bin dort ein bisschen leichter wieder in Schwung gekommen als die Nacht zuvor. Die folgenden Stunden haben wir uns bei nachlassender Kondition über die letzten großen Hindernisse gekämpft. Dass Ihr die Schlösslessteige als schwerste Stelle angegeben hattet, mussten wir schon am Plettenberg ein bisschen ironisieren, und auch an Teck und Neuffen haben wir ziemlich geschoben und zwischen beiden Hammerbergen eine Fünf-Minuten-Super-Powernap im Sitzen gemacht.

Um diese Zeit wurde es allerdings allmählich Tag und das war auch gut so. Wir hatten nämlich ein zu optimistisches Elektromanagement. Mein Handy und mein Garmin haben unerwartet viel Strom verbraucht, zudem waren unsere (jeweils) zwei Powerbanks nicht kreuz-und-quer-kompatibel. Deshalb war Florians Handy schon in der ersten Nacht final leer. Und meines habe ich nur noch für gelegentliches Positionsfunken alle paar Stunden angemacht. Zudem wollten wir ganz sicher gehen, dass mindestens ein Garmin bis ins Ziel durchhält. Darum sind wir die ganze zweite Nacht nur mit Florians Lampe und ich in seinem Lichtschatten gefahren. Es war ein spannendes Erlebnis, ziemlich übermüdet bei 2 Grad Außentemperatur kurz vor Zainingen mit 50 km/h den Lichtschatten zu halten.

Eine gewisse Zeit haben wir noch auf ein Finish unter 48 Stunden gehofft, aber das hat dann nicht mehr gereicht. In der Abfahrt nach Urach hatte ich mehrere Anfälle von Sekundenschlaf, konnte mich aber berappeln. Ab der Uracher Juhe war es dann auf bekannten Wegen ein schönes Heimkommen zum Rossfeld.

Verpflegung

Ich habe leider über 1,5 Kilogramm Lebensmittel zu viel mit mir rumgefahren, aber das habe ich immerhin gegessen:

Essen

  • 2 Kartoffelpuffer

  • 13 Suppenmaultaschen

  • 1 Cornyriegel

  • 2 Ritter Sport

  • 3 Snickers

  • 1 Sandwich

  • 1 Burger

  • 1 Käsebrezel

  • 1 Apfelteil

  • 1 Rhabarberstreusel

  • 1 Döner mit Pommes

Trinken

  • 3 l Wasser

  • 5 l Saft (Multi, Orange, Apfel)

  • 2 l Cola

  • 1 Kaffee

Fakten auf STRAVA

Hier seht Ihr mich/uns auf Strava: https://www.strava.com/activities/5354458622